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Simón Radowitzky

26,00 € inkl. MwSt.

Vom Schtetl zum Freiheitskämpfer
Aus dem argentinischen Spanisch von Lea Hübner
23 • 32 cm | Hardcover
280 Seiten | € 26,00

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Aus dem argentinischen Spanisch von Lea Hübner
23 • 32 cm | Hardcover
280 Seiten | € 26,00
Eine wunderschön in Schwarz und Rot illustrierte Comic-Biographie, welche die Geschichte von Simón Radowitzky (1891–1956) erzählt, einer sanften Seele, die in einer grausamen Welt gefangen ist.
Sein turbulentes Leben beginnt in einem russischen Schtetl, wo ihn die Kinderarbeit und die antisemitischen Pogrome durch Kosaken radikalisieren. Nach der gescheiterten Revolution 1905 flüchtet er nach Argentinien und findet bald Anschluss an die starke anarchistische Bewegung dort. Bei einer Demonstration am 1. Mai 1909 wurden 100 Arbeiter erschossen und Simon Radowitzky beschließt, sich mit einer Bombe am Einsatzleiter Oberst Falcon zu rächen. Es folgen turbulente Zeiten, mit einem langen Aufenthalt als Gefangener in Ushuaia (Patagonien), der Teilnahme an der Spanischen Revolution ab 1936 und der erneuten Flucht nach Mexiko, wo er 1956 stirbt. Comotto recherchierte und zeichnete sechs Jahre an diesem Meisterwerk. Im Anhang finden sich alle verwendeten Quellen und kurze Biographien der historischen Persönlichkeiten.
Mit einem Vorwort von Liliana Ruth Feierstein, Professorin für transkulturelle Geschichte des Judentums an der Humboldt-Universität Berlin.
ätte Agustín Comotto sich diese Geschichte ausgedacht, wäre er sicherlich dafür kritisiert worden, maßlos zu übertreiben. Es scheint unglaubwürdig, dass so vieles in einem Leben zusammenkommt«, schreibt Liliana Ruth Feierstein, Professorin für Transkulturelle Geschichte des Judentums, im Vorwort. Die Comicbiographie des argentinischen Künstlers Comotto hat den Anarchisten Simón Radowitzky Anarchisten zum Helden, geboren 1891 in Stepan (heute Ukraine), wo seine Familie bald danach zu den Opfern eines antisemitischen Pogroms gehörte. In jungen Jahren politisiert, beteiligte sich Radowitzky an Arbeiteraufständen während der Russischen Revolution 1905 und musste, von Arbeitslager bedroht, nach Argentinien fliehen. Dort nahm der junge jüdische Arbeiter an Aktionen der anarchosyndikalistischen »Federación Obrera Regional Argentina« teil. Nachdem Radowitzky 1909 in Buenos Aires miterlebt hatte, wie brutal die Polizei gegen die Teilnehmer der 1.-Mai-Kundgebung vorgegangen war, beschloss er, den verantwortlichen Polizeichef Ramón Lorenzo Falcón zu ermorden. Das Vorhaben gelang und brachte dem Bombenwerfer eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis auf Feuerland ein. Aufgrund einer beispiellosen Solidaritätskampagne wurde Radowitzky nach 21 Jahren in Haft begnadigt, wollte sich aber nicht zur Ruhe setzen, sondern schloss sich 1936 dem Kampf der Anarchisten im Spanischen Krieg gegen Franco an. Wieder wurde er inhaftiert, Fluchten später landete er in Mexiko Stadt, wo er 1956 verstarb. Die Graphic Novel zeigt nicht nur die Kristallisationspunkte der anarchistischen Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern auch die ereignisärmere Zeit in Radowitzkys Leben: die langen Jahre der Inhaftierung, einschließlich Misshandlungen und Isolation. Der Gefängnisaufenthalt bildet gewissermaßen das Skelett der Erzählung. Radowitzkys Zelle ist der Ausgangspunkt. Episoden seines Lebens werden eingeblendet, jedesmal geht es wieder zurück in die Zelle auf Feuerland. Wiederholt zeigt Comotto den schmalen Grad zum Wahnsinn in der Isolationshaft. Ausdrucksstarke Bilder verdeutlichen die Angst, den Schmerz und die Gewalt, die der Gefangene er- fährt. Er sieht nicht nur sich selbst in einem Gefängnis; die gesellschaftliche Ungleichheit zwischen Arm und Reich, zwischen Arbeitern und Ausbeutern ist für Radowitzky »das große Gefängnis« – eine Metapher, die sich auch in zeitgenössischen, anarchistischen Schriften findet. Der Hardcoverband umfasst Hunderte Zeichnungen, stilvoll in Schwarz- Weiß-Rot gehalten, jede ein Meisterwerk für sich. Die Biographie vermittelt nicht nur historisches Wissen, sondern eine Idee des Potentials sozialer Bewegungen. Die Solidaritätskampagne zur Freilassung Radowitzkys war riesig, auch, weil sie bis weit ins Bürgertum hinein Unterstützung erfuhr. Comotto macht in seiner Graphic Novel anschaulich, dass Radowitzky ein beeindruckendes politisches Bewusstsein und Durchhaltevermögen hatte, ein Revolutionär aber nur in einer breiteren Bewegung als solcher wirken kann.

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