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Antifa - 100 Jahre Widerstand

17,00 € inkl. MwSt.

Gord Hill
The Antifa Comic Book. 100 Years of Fascism and Antifa Movements

Sprache: Deutsch
Taschenbuch
Arsenal Pulp Press
17 Euro, 112 Seiten
ISBN: 1551527332

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Der Faschismus ist eine relativ neue politische Ideologie, aber in seiner 100-jährigen Geschichte wurden die größten Gräueltaten gegen die Menschheit verübt. Seine giftigen Wurzeln haben sich in jeder Region der Welt ausgebreitet, von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg in Italien, über Nazi-Deutschland, Franco-Spanien und den KKK in Amerika. Heute, ermutigt durch den amerikanischen Präsidenten und diverse «Rechtspopulisten» von Europa bis Asien, lebt der Faschismus erneut etwas auf. Gleichzeitig haben AntifaschistInnen im Laufe der Geschichte und auch gegenwärtig wieder bewiesen, dass der Geist des Widerstands lebendig, aktiv und notwendig ist.
Gord Hill dokumentiert kraftvolle Momente des Widerstands und der Konfrontation aus den Blickwinkeln der ProtagonistInnen. So vermittelt er ein starkes Gefühl der Entschlossenheit und einen globalen Blick auf das Problem. Mit einem Vorwort von Mark Bray, Autor von Antifa: The Anti-fascist Handbook.
Gord Hill

Das „Antifa Comic Book. 100 Years of Fascism and Antifa Movements“ hält, was es verspricht. Einhundert Jahre Geschichte von Faschismus und antifaschistischem Widerstand drängen sich auf 112 dicht beschriebenen und bunten Seiten. Dabei liegt der Fokus auf einer chronologischen, historischen Erzählung von den Anfängen des Faschismus im Ersten Weltkrieg in Italien und Deutschland bis in die Gegenwart und den zahlreichen antifaschistischen Kämpfen während des Zweiten Weltkriegs, über die Gründungen antifaschistischer Gruppen bis heute.

Zunächst leitet Gord Hill jedoch mit Begriffsdefinitionen in seinen Sach-Comic ein und erklärt, was Faschismus und Antifaschismus sind, um dann die historischen Wurzeln zu beleuchten. Im ersten Drittel geht es um die Entstehung des Faschismus während des Ersten Weltkriegs in Italien, von den Schwarzhemden bis zur Gründung der Partito nazionale fascista (PNF). Dabei benennt Hill die Überforderung der Regierung, aber auch die entstehenden Gruppierungen, die sich den Faschisten in den Weg stellten, wie die Arditi del Popolo. Spannend sind die Einblicke, wie sich die antifaschistischen Aktivist*innen organisierten und kämpften. Hill spart nicht mit Details, sondern gibt, soweit das in einem 112-seitigen Buch möglich ist, einen detaillierten Einblick in die antifaschistischen Kämpfe.

Anschließend blickt er nach Deutschland, erläutert die Entwicklung des Nationalsozialismus von seinen Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und beleuchtet die Arbeit von Widerstandsgruppen wie der Weißen Rose, der Edelweiss-Piraten und Partisan*innen. Weiter geht es mit dem Spanischen Bürgerkrieg und einem Überblick über die Zusammenarbeit von Mussolini, Hitler und Franco. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch immer auf dem antifaschistischen Widerstand. Dabei rückt Hill besonders emanzipatorische Bewegungen in den Mittelpunkt, in denen Frauen* eine wichtige Rolle gespielt haben, etwa die italienischen Partisan*innen, die Mujeres Libres und die Milicianas in Spanien.

Nach einem Blick nach England während des Zweiten Weltkriegs gelangt Hill über die Group 43, die nach dem Zweiten Weltkrieg faschistische Treffen und Aufzüge angriff, und die rassistische National Front schließlich in die Nachkriegszeit. Hill erläutert die Kämpfe der Roten Front, der United Black Youth League, der Antifascist Action und antifaschistischer Fußballcrews gegen die White Power-Bewegung, Blood and Honour, Combat 18 und E.D.L. Der Blick in die jüngere Vergangenheit in Deutschland zeigt u.a. die NPD, die Wehrsportgruppe Hoffmann und die Republikaner, die Ausschreitungen von Hoyerswerda, Solingen, Mölln, Rostock Lichtenhagen und den NSU, aber auch die Gründung des Antifaschistischen Infoblatts 1987, der A.A./B.O., der Antifa Gençlik und die Gegendemonstrationen in Wunsiedel und Dresden.

Nach etwas kürzeren Abschnitten zum Antifaschismus in Italien, Griechenland, Russland, Frankreich, der Ukraine, Schweden und Syrien schaut Hill in die USA und nach Kanada, um in der Gegenwart die Alt-Right Bewegung mit ihren Akteuren unter die Lupe zu nehmen. Am Ende des Comics steht der Tod von Heather Heyer, wobei Jill jedoch auch die wachsende Organisierung von antifaschistischen Aktivist*innen in den USA betont. Sein Plädoyer: ein breiter, diverser antifaschistischer Widerstand.

Die historischen Darstellungen, die hier nur schlaglichtartig herausgegriffen werden können, werden durch Analysen ergänzt. Hill macht dabei eine Kontinuität faschistischer Bedrohung und einen Zusammenhang von Faschismus, Kapitalismus, Kolonialismus und Patriarchat erkennbar.

Die visuelle Gestaltung bleibt etwas hinter dem Text zurück. Die Bilder illustrieren mehr den Text als dass sie selbst Handlung tragen, was jedoch für einen Sach-Comic nicht selten ist und den Zugang zu komplexen historischen Ausführungen erleichtern kann. Während die gezeichneten Bilder der Deportationen durch die Nazis an reale Aufnahmen erinnern, haben die Widerstandskämpfer*innen kaum individuelle Gesichtszüge. Mark Bray weist in seinem Vorwort darauf hin, dass es Hill nicht darum gehe, antifaschistische Superheld*innen zu zeigen. So wird antifaschistischer Widerstand für alle möglich und notwendig. Eine sehr lohnenswerte Lektüre.

Gord Hill: Antifa – Hundert Jahre Widerstand

Der Comic feiert die Held*innen der Vergangenheit und Gegenwart

Make Antifa Great Again

Nachdem Reaktionäre von Donald Trump bis hin zur AfD immer wieder ein Verbot »der Antifa« fordern, erscheint es sinnvoll, sich einmal näher mit ihr auseinanderzusetzen. Als Einführung in Form eines Comics bietet sich hierfür Antifa – Hundert Jahre Widerstand des kanadischen Autors und Comiczeichners Gord Hill an.

Hill zeichnet die Geschichte des Faschismus im letzten Jahrhundert sowie den militanten antifaschistischen Kampf dagegen nach. Von der Entstehung des Faschismus in Italien reicht die Erzählung über den Ku-Klux-Klan bis zur »neuen Rechten« in Europa. Hill beschreibt die ideologischen und politischen Inhalte des Faschismus. Doch der Schwerpunkt liegt auf dem Widerstand, beginnend bei den Arditi del Popolo (»Die Kühnen des Volkes«), die sich in den 1920er Jahren bewaffnet den Schwarzhemden Mussolinis in den Weg stellten.

Hill dokumentiert den aktiven Kampf der deutschen Kommunist*innen vom Roten Frontkämpferbund und der 1932 gegründeten »Antifaschistischen Aktion« gegen die Nazi-Sturmtruppen. Die zahllosen militanten Antifaschist*innen, die in den internationalen Brigaden in Spanien gegen das Franco-Regime kämpften, werden ebenfalls gezeigt. Dass Hill auch den Kampf der Alliierten gegen das nationalsozialistische Deutschland in die Tradition des antifaschistischen Kampfes stellt, verwundert angesichts der Appeasement-Politik der 1930er Jahre. Jedoch richtet er den Fokus vor allem auf die widerständigen Praktiken der Edelweißpiraten, der Studierenden der Weißen Rose, aber auch auf die Aufständischen des Warschauer Ghettos sowie die Partisan*innen in Italien, Jugoslawien und Griechenland. Hier zeigt Hill auch den Zusammenhang zwischen Antifaschismus und Revolution auf. Vielen Kämpfer*innen ging es nicht nur um das Ende der faschistischen Herrschaft, sondern auch darum, eine neue postkapitalistische Gesellschaft zu errichten.

Im zweiten Teil beleuchtet der Comic den internationalen Antifaschismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Verschiedene Länder und ihre Gruppen werden vorgestellt, wie das Southall Youth Movement oder die Anti-Nazi-League, die das Wiedererstarken des Faschismus in Großbritannien bekämpften, oder die autonomen Antifa-Gruppen, die in den 1980er Jahren in Westdeutschland entstanden. Weitere Kapitel widmen sich Antifa-Gruppen in Italien, Griechenland, Russland, Frankreich und Ukraine, aber auch in Syrien, Schweden, den USA und Kanada.

Der Comic feiert die Held*innen der Vergangenheit und Gegenwart. Hill dokumentiert kraftvolle Momente des Widerstands aus den Blickwinkeln der Protagonist*innen selbst. So vermittelt er ein starkes Gefühl und einen globalen Blick auf die Bewegung. Kritikwürdig ist die etwas grobschlächtige Darstellung im Comic: Auf der einen Seite böse Nazis mit Glatze, viele Hakenkreuze und gestreckte rechte Arme, auf der anderen Seite Antifa-Logos, Schwarzer Block und entschlossene, aber sympathische Aktivist*innen. Das tut dem Buch keinen Abbruch, macht aber seinen einführenden Charakter deutlich.

Christopher Wimmer

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