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Che Guevara

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Che Guevara

Als Vertreter Kubas hält Che Guevara im Dezember 1964 eine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. In Militäruniform tritt er ans Mikrofon:

„Als Marxisten vertreten wir die Meinung, dass die friedliche Koexistenz zwischen Staaten nicht die Koexistenz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, zwischen Unterdrückern und Unterdrückten umfasst. Es gibt ein auch durch diese Organisation erklärtes Recht auf völlige Unabhängigkeit von allen Formen kolonialer Unterdrückung.“
...
1928 wird Ernesto »Che« Guevara als Sohn eines Plantagenbesitzers in Argentinien geboren. 200 Familien aus Großgrundbesitz, Handel, Industrie und Politik besitzen dort praktisch alles, während die Mehrheit der Menschen in Argentinien in Armut lebt. Unter den indigen Wanderarbeitern wütet die Tuberkulose. In den Kohlegruben sterben die Arbeiter gewöhnlich mit 30 Jahren, die Lungen von Kohlestaub zerfressen.

Che Guevara politisiert sich

Che wächst in einem kritischen Elternhaus auf. In einem Liebesbrief an eine Tochter aus reichem Hause schreibt er mit 17 Jahren: »Die Summe des Elends ist zu groß, die Schuld dieser Klasse in die du hineingeboren bist, ist zu groß, als das ich sein könnte, sein möchte wie sie: Ich verspüre diese Schuld manchmal nachts als einen Alpdruck. Der Duft Deines Körpers kann nicht aus meiner Phantasie die Anklage verdrängen, die von dem Elendsgestank ausgeht, der aus den Slums herausdampft: Reichtum; nein, ich will keinen Teil daran haben. Ich will keinen Teil daran haben, dass diese Ungerechtigkeit fortbesteht.«

Als Medizinstudent reist er mit einem Freund auf einem Motorrad durch fast alle Länder Mittel– und Südamerikas. Das Tagebuch, das er auf dieser Reise geführt hat, ist 2004 von Walter Salles verfilmt worden. Che erlebt auf seiner Reise, wie US-Konzerne riesige Mengen an Rohstoffen und Profiten aus dem Kontinent ziehen und Regierungen ein- oder absetzen, wie es ihnen gefällt. Die Länder bleiben unterentwickelt und abhängig. Die einheimischen Herrscher verprassen ihren Reichtum oder schaffen ihn ins Ausland. Überall rebellieren Menschen, doch meistens ersetzt am Ende nur eine Clique die andere.

Che Guevara trifft Fidel Castro

1955 trifft Guevara in Mexiko den kubanischen Rechtsanwalt Fidel Castro (marx21 Nachruf auf Fidel Castro), der seine Heimat von dieser Knechtschaft befreien will. Che ist begeistert: »…in diesem Kampf gab es nur Sieg. Ich teilte seinen Optimismus. Es war unausweichlich, mit dem Jammern aufzuhören und mit dem Kampf zu beginnen.«
Im Dezember 1956 stechen Castro und Guevara mit 80 weiteren Kämpfern in Richtung Kuba in See. Die Wirtschaft der Insel gehört praktisch den USA: Die US-Beteiligung an der Telefon- und Elektrizitätsversorgung übersteigt 90 Prozent, bei den Eisenbahnbetrieben macht sie die Hälfte aus, in der Rohrzuckerproduktion 40 Prozent.

Zucker macht 80 Prozent aller kubanischen Exporte aus. Das Pro-Kopf Einkommen war seit 50 Jahren nicht gestiegen. Zwei Jahre Kampf genügen, um das Regime des Diktators Batista zu besiegen. Am Ende besteht die Streitmacht der Revolutionäre aus 800 Guerilleros und zivilen Einheiten von etwa 2200.

Batistas Regime in Kuba fällt

Die Bauern unterstützen die Revolutionäre passiv, auch die Arbeiter bleiben weitgehend ruhig. Die Leitung des Kampfes liegt in den Händen der Guerilla-Führung, deren Kern aus Intellektuellen besteht. Batistas Regime ist so wenig verwurzel, korrupt und so schwach, dass der Widerstand gleich null ist, als Castro und Guevara in Havanna einmarschieren. Selbst die Regierung der USA glauben nicht mehr an Batista. Als wichtiger militärischer Führer übernimmt Che leitende Funktionen. Er wird Präsident der Nationalbank, Leiter des Instituts für Agrarreform und wichtiger Vordenker der »neuen Gesellschaft«.

Castro wird zum »Marxisten-Leninisten«

Die neue Regierung will Kuba aus seiner Abhängigkeit befreien, modernisieren und industrialisieren. Aber selbst wenig radikale Maßnahmen der Regierung wie eine milde Landreform gehen den USA zu weit. Amerikanisches und kubanisches Kapital wird von der Insel abgezogen. Dann verhängt die US-Regierung eine komplette Wirtschaftsblockade, um das Regime in die Knie zu zwingen.
Eine eigenständige nationale Entwicklung gegen den Druck der USA und in deren unmittelbarer Nachbarschaft ist unmöglich. Die kubanische Führung sieht keinen anderen Weg als die Annäherung an die Sowjetunion. Castro erklärt sich 1961 plötzlich zum »Marxisten-Leninisten«. Die Führung der UdSSR sieht die revolutionäre Insel vor der Haustür der USA als Trumpf im Kampf der Supermächte. Sie nutzt die kubanische Wirtschaft zum eigenen Vorteil. Guevara ist entsetzt.

Das neue Kuba in der Sackgasse

Die Sowjetunion fordert Lebensmittel und Rohstoffe, fördert aber die industrielle Entwicklung auf Kuba nicht. Für Zucker zahlen die Sowjets nur Weltmarktpreise. 1963/64 muss sich die Regierung eingestehen, dass die Abhängigkeit vom Zucker so groß ist wie eh und je. Noch unter Ches Regierung versucht man, durch Rationierung von Lebensmitteln und Textilien Geld für die Industrie vom Lebensstandard der Arbeiter abzuknapsen. Mit Appellen an die soziale Verantwortung und die sozialistische Moral versucht Guevara, die Opferbereitschaft der Arbeiter zu erhöhen. Schließlich greift das Regime mehr und mehr auf Zwang und Autorität zurück. Kuba steckt in einer Sackgasse. Jetzt treten Ches Stärken und Schwächen klar hervor.

Che Guevara: Seine Stärken und Schwächen

Seine Stärke liegt in seiner revolutionären Überzeugung, seinem Internationalismus und in seinem Tatendrang. Während Castro versucht, den Spielraum des Landes zu erweitern, indem er Spannungen zwischen der Sowjetunion und China ausnutzt, will Che die Revolution ausbreiten. Che kritisiert die politische Führung der UdSSR, weil sie bereit ist, auf Aufstände zu verzichten, um das Gleichgewicht mit den USA zu halten. 1965 klagt Guevara die »sozialistischen Staaten« an, »Komplizen der Ausbeuter« zu sein. Obwohl die UdSSR keine von ihnen unabhängige Befreiungsbewegung tolerieren will, beharrt Che: »Wir können nicht aufhören, unser Beispiel zu exportieren.« Sein Motto: »Schafft zwei, drei, viele Vietnams« wird von der Studierendenbewegung aufgegriffen, die sich im Westen während des Kriegs der USA gegen die vietnamesische Befreiungsbewegung entwickelt.

Guerillakampf in Kuba als Vorbild?

Guevara versucht, aus seinen Erfahrungen in Kuba ein Drehbuch für andere Revolutionen zu machen. In Bolivien zeigen sich die Schwächen dieser Idee. Dort will Che das Fanal für den Aufstand der Unterdrückten in ganz Südamerika setzen. Er scheitert kläglich. 1966/67 fängt Guevara mit einigen kubanischen Mitstreitern an, ein Guerilla-Lager in Bolivien aufzubauen und Kämpfer um sich zu sammeln. Auf Bolivien fällt die Wahl eher zufällig. Der Ort spielt in Ches Theorie keine große Rolle. Guevara meint, dass Revolutionäre nicht auf die Bedingungen für eine Revolution warten müssen, sondern diese selbst durch ihre Taten schaffen könnten. Die Guerillas sollten einfach in einem begrenzten Gebiet mit ihrem »heldenhaften Kleinkrieg« beginnen.

In diesem Kleinkrieg würden dann Bastionen der Partisanen entstehen. Der Kampf würde die Diktatur zwingen, sich ohne Maske und in ihrer ganzen Brutalität zu zeigen und so die Gesellschaft offen in Herrscher und Beherrschte polarisieren. Die Reihen der Partisanen könnten dann durch Bäuerinnen und Bauern aufgefüllt werden. Immer weitere Gebiete würden unter die Kontrolle der Aufständischen geraten – bis zum endgültigen Sieg.

Doch die bolivianischen Bauern haben kein Interesse an Ches Kampf. Die bolivianische Regierung ist lange nicht so wurzellos und schwach wie es das kubanische Regime unter Batista gewesen war. Die Partisanen bleiben völlig isoliert. Regierungstruppen mit Unterstützung aus den USA können immer mehr Guerilleros umbringen. Nach einem Jahr ist der Kampf endgültig verloren: Am 9. Oktober gerät Che mit seinen Mitstreitern in einen Hinterhalt. Er wird gefangen und später erschossen. Hätte die Geschichte anders ausgehen können?

Die Schwächen der Strategie von Che Guevara

Während Ches bolivianischen Abenteuers streikten die dortigen Minenarbeiter – unabhängig von Guevaras Guerillakampf. Sie waren schon 1952 die Vorkämpfer einer Revolution gewesen. In seinen bolivianischen Reisebüchern bezieht sich Guevara zwar ein paar Mal auf die Bergarbeiter, aber er hält die Verbindung zur bolivianischen Arbeiterklasse nicht für zentral oder überhaupt auf irgendeine Art und Weise für wichtig. Und das ist eine große Tragödie, denn Che hätte sein Ziel der nationalen Befreiung mit den Klassenkämpfen der Arbeiterinnen und Arbeiter verbinden können, die immer wieder auf dem Kontinent aufflammten. 1969 regierten Beschäftigte für eine kurze Zeit die argentinischen Städte Cordoba und Rosaria. Ende der 1960er Jahre wehrten sich auch in Chile immer mehr Arbeiter. Das war 1970 die Grundlage für einen gefeierten Wahlsieg einer Koalition von Sozialdemokraten, Sozialisten und anderen unter Führung von Salvador Allende.

Guerillakampf statt Selbstbefreiung

Doch für Che lag das Zentrum des Kampfes auf dem Land. Das bedeutete zwangsläufig, dass der Träger des Kampfes nicht die städtische Arbeiterklasse, sondern die Bauern – die allerdings von städtischen Intellektuellen geführt werden sollten – sein würden. Guevara hatte seit den 1950er-Jahren immer wieder Texte von Karl Marx studiert. Er teilte mit Marx eine grundsätzliche Feindschaft gegenüber Ausbeutung und Unterdrückung. In seiner Politik wich Che aber von Marx Grundüberzeugung ab, das die Befreiung vom Kapitalismus nur das Werk der Arbeiter selbst sein könne. Guevara meinte, das revolutionäre Potenzial erwachse aus der absoluten Armut und der Schärfe der Unterdrückung. Es brauche nur die Entschlossenheit der Tat, genügend Mut und die richtigen Ideen der Partisanen, um die Bauern mit zu reißen, zu erziehen und auf den richtigen Weg zu führen. Anders als auf Kuba konnten Ches Elan und seine Opferbereitschaft in Bolivien die Selbstaktivität der Arbeiterklasse nicht mehr ersetzen.

Was bleibt von Che Guevara?

Viele Menschen sehen heute in Che Guevara ein Symbol des Widerstandes. Bis heute inspiriert er Menschen undbringt ihr Verlangen nach einer besseren Welt zum Ausdruck. Che steht, trotz seiner Schwächen, für die Überzeugung, dass die Welt verändert werden kann und vor allem durch die Bewegung selbst verändert werden kann. Das Leben von Che Guevara ist eine historische Lehrstunde für uns, die mit der Annahme beginnt, dass Revolution machbar ist, dass sie gemacht werden sollte, und dass die Welt verändert werden muss. Ist man einmal soweit, stellt sich die Frage nach dem »wie?«. Die Antwort steht nicht in irgendwelchen Anleitungen oder Handbüchern, sondern sie liegt in der Geschichte, in der Erfahrung. Und das Leben dieses großen und engagierten Kämpfers für soziale Veränderung sollte Teil der politischen Bildung für eine neue Generation von Revolutionärinnen und Revolutionären sein. Wir können aus seinen Fehlern lernen.

Zwei, drei, viele Vietnam

Am 16. April 1967 erschien in Havanna die erste Ausgabe der Zeitschrift "Tricontinental" als dünnes Sonderheft. Die von der knapp ein Jahr zuvor gegründeten Organisation für Solidarität mit den Völkern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas (OSPAAAL) herausgegebene Publikation enthielt nichts weiter als einen Brief an ihr Exekutivkomitee. In diesem als "Botschaft an die Trikontinentale" bekannt gewordenen Schreiben richtete sich Ernesto "Che" Guevara, das wohl prominenteste Gründungsmitglied der OSPAAAL, an die Weltöffentlichkeit.

Der ehemalige Kommandant der Kubanischen Revolution forderte in seiner Botschaft die "Völker der Welt" dazu auf, die ihnen von den "imperialistischen Mächten" auferlegte Starre abzuschütteln und die Waffen zu ergreifen, um mit ihm für die endgültige "Befreiung der Menschheit" zu kämpfen. Er selbst befand sich, wie später bekannt werden sollte, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits seit mehreren Monaten in Bolivien und hatte den Text noch im Jahr 1966 vor seinem Aufbruch verfasst. Er hoffte, mit Unterstützung der dortigen Landbevölkerung eine Guerillaarmee aufbauen zu können, um aus dem Andenland ein leuchtendes Beispiel und die Speerspitze einer kontinentalen Revolution zu machen. Doch die in erbärmlichen Verhältnissen lebenden Bauern, die Guevara zu den Subjekten seiner revolutionären Umwälzungen erhoben hatte, konnten seinen Ruf kaum vernehmen: Die überwiegende Mehrzahl von ihnen war des Lesens und Schreibens nicht mächtig.

Breite und umgehende Resonanz fand die "Botschaft" hingegen von lateinamerikanischen Metropolen über nordamerikanische Universitäten bis in die europäischen Großstädte. Die von Guevara formulierte Parole "Schaffen wir zwei, drei … viele Vietnam" stieg umgehend zu einer der ikonischen Losungen der Neuen Linken auf.

Begünstigt wurde die weitreichende Rezeption der Botschaft Guevaras durch den historischen Kontext ihrer Veröffentlichung: Wenige Monate nach der Publikation sollten die Tet-Offensive in Vietnam, das Massaker auf der mexikanischen Plaza de Tlatelolco, der Aufzug sowjetischer Panzer in Prag und die Ermordung Martin Luther Kings bis dahin geografisch voneinander getrennt politisierte Milieus in eine scheinbar globalisierte Protestbewegung verwandeln. Doch ebenso bedeutsam für den Widerhall der "Botschaft an die Trikontinentale" war Guevaras zeitgleicher Kampf und dessen von vielen Zeitgenossen als tragisch aufgefasstes Ende in Bolivien. Sein Tod im Oktober 1967, den er in der "Botschaft" scheinbar prophetisch antizipiert hatte, unterstrich auf unumstößliche Weise das von Guevara personifizierte, christlich grundierte Ideal der Synthese von Wort und Tat. Die Hinrichtung Guevaras erhob diesen letzten zu Lebzeiten des Guerillakommandanten veröffentlichten Text gleichsam zu seinem politischen Vermächtnis. Die darin formulierte Programmatik und die dezidiert religiöse Metaphorik haben, neben dem praktischen Wirken Guevaras, dessen Verklärung zu einer "christomorphen Figur" maßgeblich beeinflusst.

Anfang April 1965, knapp zwei Jahre bevor die "Botschaft an die Trikontinentale" erscheinen sollte, war Guevara unvermittelt aus der Öffentlichkeit verschwunden. Während sein Verbleib für zahlreiche Spekulationen gesorgt hatte, war Guevara im Verborgenen in den Kongo aufgebrochen, um dort eine Revolution nach kubanischem Vorbild voranzutreiben. Ein Vorhaben, das bekanntermaßen in einem Desaster endete. Doch zeitgleich zur Operation im Kongo hatte Guevara mit den Vorbereitungen für einen weiteren Einsatz begonnen. Schon 1964 hatte er seinen argentinischen Landsmann Ciro Bustos darauf angesetzt, in ihrem Herkunftsland potenzielle Kämpfer zu rekrutieren. Weitere Kontakte bestanden zur Gruppe um Juan Pablo Chang in Peru und nach Brasilien. Im Laufe des darauffolgenden Jahres gelang es Tamara Bunke ("Tania"), der Tochter deutsch-jüdischer Exilanten aus Argentinien, die mittlerweile für den kubanischen Geheimdienst tätig war, sich in La Paz niederzulassen. Ausgestattet mit falschen Papieren, die sie als argentinische Ethnologin Laura Gutiérrez Bauer ausgaben, gelang es ihr, Kontakte zu den Kreisen um Präsident René Barrientos aufzubauen. Von dort aus sollte sie die verschiedenen Stränge der Operation zusammenführen.

Der kubanische Staatschef Fidel Castro wiederum hatte die seit Langem bestehenden Beziehungen zu den unterschiedlichen Fraktionen des bolivianischen Kommunismus neu aufleben lassen. Während der von Óscar Zamora geleitete maoistische Partido Comunista Boliviano Marxista Leninista (PCB-ML) sowie der ebenfalls prochinesische Gewerkschaftskreis Moisés Guevaras umgehend ihre Unterstützung für den bewaffneten Kampf signalisierten, reagierte die Parteiführung des unter sowjetischem Einfluss stehenden Partido Comunista Boliviano (PCB) um Mario Monje zurückhaltend. Auch wenn er den bewaffneten Bestrebungen Kubas nicht gänzlich ablehnend gegenüberstand – immerhin hatte er diverse Kader zur militärischen Ausbildung auf die Insel geschickt –, widerstrebte es Monje, das von Moskau vorgegebene Diktum der friedlichen Koexistenz zu brechen. Während eines Besuchs auf Kuba schilderte Castro Monje jedoch, "daß ein gemeinsamer Freund in sein Land zurückkehren möchte, jemand, dessen revolutionäres Format über alle Zweifel erhaben ist," und dass dieser Freund der Meinung sei, am besten über Bolivien dorthin zu gelangen. "Daher", so fügte Castro an, "möchte ich dich bitten, ihm bei der Einreise in dein Land behilflich zu sein." Die Referenz auf Ernesto Guevara muss für Monje eindeutig gewesen sein, und so sagte er zu. Er tat dies wohl auch aus dem Kalkül heraus, einen Guerillakrieg auf bolivianischem Boden verhindern zu können, indem er Guevara dabei half, seine Einheit in Bolivien vorzubereiten und dann an die argentinische Grenze zu geleiten.

Im November 1966 reiste Guevara, getarnt als Mitarbeiter der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), nach Bolivien. Bereits im August hatte er über Mittelsmänner von Monje eine Finca und 1500 Hektar Land in einer schroffen Gegend zwischen Andenausläufern und der Chaco-Tiefebene, knapp 250 Kilometer südwestlich von Santa Cruz de la Sierra, aufkaufen lassen. In dem bewaldeten Gelände richtete er dann gemeinsam mit einigen seiner engsten Vertrauten aus Zeiten der Kubanischen Revolution bis zum Ende des Jahres ein Basislager, Waffendepots und eine rudimentäre medizinische Station ein. Als sich Mario Monje für den 31. Dezember zu einem Besuch ankündigte, verfügte die von Guevara als Ejército de Liberación Nacional (ELN) benannte Gruppe bereits über 25 Guerilleros, von denen jedoch lediglich neun aus Bolivien stammten.

Das Treffen mit Monje zum Jahreswechsel sollte sich als entscheidend für den weiteren Verlauf der Guerilla in Bolivien herausstellen. Guevara hoffte, wie er kurz vor dem Eintreffen Monjes in einer Ansprache gegenüber seinen Guerilleros darlegte, auf eine Versöhnung der beiden großen sozialistischen Blöcke. Indem er, so sein Kalkül, in Bolivien sowohl mit Monje als einem Vertreter der sowjetischen Seite als auch den prochinesischen Fraktionen von Moisés Guevara und Óscar Zamora zusammenarbeite, könne Bolivien eine Beispielwirkung von immenser Bedeutung entfalten und die über das Schisma zwischen der Sowjetunion und China in zwei Blöcke zerfallene sozialistische Welt wieder vereinen. Schon in seiner "Botschaft an die Trikontinentale" hatte er die Differenzen zwischen diesen beiden Mächten als eine der zentralen Problemstellungen bezeichnet und gefordert: "Dies ist die Stunde, unsere Differenzen zurücktreten zu lassen und alles in den Dienst des Kampfes zu stellen."

Anders als gegenüber Monje suggeriert, war Bolivien in diesem Kampf aber nicht nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Argentinien vorgesehen. Vielmehr sollte das Andenland, dem Beispiel Vietnams folgend, Ausgangspunkt größerer Ereignisse werden. Denn einmal aufgenommen, würde der Guerillakampf nach Guevaras Einschätzung umgehend kontinentale Dimensionen annehmen und der gesamte Subkontinent zur "Szene von vielen großen Schlachten für die Befreiung der Menschheit" werden. Endpunkt dieses Kampfes sollte nichts weniger sein als die "Vernichtung des Imperialismus durch die Eliminierung seines mächtigsten Bollwerks, die imperialistische Herrschaft der Vereinigten Staaten von Nordamerika". Doch nur wenn es China und Russland gelänge, so Guevara weiter, ihre Differenzen zu überwinden und sich mit den Revolutionären in allen Teilen der Welt zusammenzuschließen, könne dem nordamerikanischen Imperialismus endgültig der letzte Stoß verpasst werden. Seiner Vorstellung nach sollte in Bolivien also ein neuer weltumspannender Krieg seinen Anfang nehmen, dessen Ausgang entscheiden würde, ob der Planet in Zukunft sozialistisch oder kapitalistisch sei.

Bereits Ende August 1967 hatte die 8. Division der bolivianischen Armee die Nachhut Guevaras in einen Hinterhalt gelockt. Während die zu diesem Zeitpunkt noch aus acht Personen bestehende Gruppe den Fluss Masicurí überquerte, hatten die Soldaten das Feuer eröffnet und die Mehrzahl von ihnen getötet. Unter den Toten fand sich auch Tamara Bunke, deren Leiche Tage später aus dem Fluss geborgen wurde. Zwei der drei Überlebenden wurden anschließend durch die Soldaten exekutiert.

Knapp einen Monat darauf gaben Anwohner dem Militär Hinweise auf Aktivitäten mutmaßlicher Guerilleros in der Gegend um das Dorf La Higuera. Am 8. Oktober gelang es der von Gary Prado Salmón kommandierten Einheit der Armee, die Gruppe um Guevara in einer nahegelegenen Schlucht zu stellen. Die Mehrzahl der Kämpfer wurde in dem folgenden Gefecht getötet und Guevara, der zuvor verwundet worden war, von Sargento Bernardino Huanca festgenommen. Gemeinsam mit dem bolivianischen Guerillero Simón Cuba ("Willy") wurde er nach La Higuera verbracht und dort von Armeeangehörigen sowie dem CIA-Agenten Félix Rodríguez verhört. Guevara selbst ging, so legt es der Bericht Rodríguez’ nahe, davon aus, dass die Militärs ihn am Leben lassen würden. Am folgenden Morgen wurde auch Juan Pablo Chang nach La Higuera gebracht. Kurz darauf erging von der Obersten Heeresleitung der Befehl, die Gefangenen, allen voran Ernesto Guevara, zu liquidieren. Zu groß waren die Bedenken, ein öffentlicher Prozess könnte, deutlich vehementer noch als dies nach der Verhaftung Régis Debrays geschehen war, die Empörung der Weltöffentlichkeit auf die bolivianische Regierung lenken. Nachdem zunächst Chang und Cuba hingerichtet wurden, wurde auch Ernesto Guevara am Mittag des 9. Oktober 1967 erschossen.

Das Militär brachte Guevaras Leichnam noch am selben Tag nach Vallegrande, wo er von den Nonnen des örtlichen Krankenhauses gewaschen wurde. Ein Arzt injizierte ihm, um den Verwesungsprozess zu verlangsamen, Formaldehyd und öffnete ihm die Augen. Am Tag darauf wurde der Leichnam in einem rudimentären Waschhaus des Hospitals auf einem Betonbecken aufgebahrt und angereisten Pressevertretern als Beweis für den Tod des weltweit berühmtesten Guerillakommandanten vorgeführt. Die Militärs hofften wohl, durch die Präsentation des Gefallenen und die anschließende anonyme Bestattung Guevaras, einer posthumen Heroisierung vorbeugen zu können.

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